Handwerk und Geschichte: die Uhrmacherkunst des Schwarzwalds
Kuckucksruf: wie die Kuckucksuhr den Vogel nachahmt
Veröffentlicht am 8. Juli 2026

Kuckucksruf: wie die Kuckucksuhr den Vogel nachahmt

Seit fast drei Jahrhunderten ist der Kuckucksruf das Markenzeichen der Schwarzwalduhren. Hinter diesen zwei vertrauten Tönen verbergen sich ein ganz realer Vogel, ein Prinzip aus dem Orgelbau und, bei mechanischen Modellen, zwei winzige Blasebälge aus Holz.

Ein Ruf, dem Vogel abgelauscht

In der Natur ist das „Ku-ckuck“ der Ruf des Kuckucksmännchens, den man im Frühling hört. Das Weibchen gibt einen ganz anderen Laut von sich. Dieser Ruf hat dem Vogel seinen Namen gegeben: „Kuckuck“ ist lautmalerisch. Seine zwei Töne sind absteigend. Im April beträgt der Abstand eine kleine Terz, danach wird er im Lauf der Saison größer.

Mit nur zwei Tönen lässt sich dieser Ruf gut nachahmen. Schon 1650 beschreibt der Gelehrte Athanasius Kircher einen mechanischen Kuckuck in einer Orgel, dessen Ruf aus zwei Pfeifen und ihren Blasebälgen entsteht. 1669 schlägt Domenico Martinelli vor, damit die Stunden anzuzeigen. Wie es weiterging, erzählt unser Artikel zur Geschichte der Kuckucksuhr.

Zwei Blasebälge und zwei Holzpfeifen

Bei einer mechanischen Kuckucksuhr entsteht der Ruf durch zwei kleine Blasebälge aus Holz, die mit einer dünnen, biegsamen Membran aus Leder oder Spezialpapier bespannt sind. Jeder sitzt auf einer kleinen Holzpfeife, die wie manche Orgelpfeifen an einem Ende verschlossen ist. Die kürzere Pfeife erzeugt den hohen Ton, die längere den tiefen.

Zur vollen Stunde hebt das Werk die Blasebälge nacheinander an und lässt sie dann, beschwert durch kleine Gewichte, wieder fallen. Die ausgestoßene Luft pfeift durch die Pfeife: zuerst der hohe Ton, dann der tiefe, wie beim Vogel. Schlitze in den Seitenwänden des Gehäuses lassen den Klang nach außen.

Der Kuckuck ruft so oft, wie es die Stunde anzeigt, und einmal zur halben Stunde, wie bei diesem Modell mit einem Vogel mit ausgebreiteten Flügeln. Unser Ratgeber zur Funktionsweise einer Kuckucksuhr erklärt, was den Ruf zur vollen Stunde auslöst.

Wenn der Kuckuck seine Stimme verliert

Das „Ku-ckuck“ klingt nur richtig, wenn die beiden Töne im richtigen Rhythmus aufeinanderfolgen. Funktioniert einer der Blasebälge nicht mehr, hört man nur noch einen Ton. Völlige Stille hat oft eine einfache Ursache:

  • Transportklammern, die noch an den Blasebälgen sitzen;

  • ein ausgehängter Hebedraht;

  • ein Abschalthebel, der auf „stumm“ steht.

Unser Ratgeber zur Fehlerbehebung hilft zu verstehen, warum ein Kuckuck nicht mehr ruft.

Mit den Jahren nutzt sich die Membran der Blasebälge durch das ständige Falten ab, und an den Falzen entstehen Undichtigkeiten. Ein Uhrmacher kann sie dann ersetzen und dem Kuckuck seine Stimme zurückgeben. Vermeiden Sie außerdem die Fehler, die der Uhr schaden, etwa den Hebel während des Rufs zu betätigen.

Und bei einer Quarz-Kuckucksuhr?

Hier gibt es keine Blasebälge: Der Ruf ist eine digitale Aufnahme, oft die eines echten Kuckucks in freier Natur, die über einen kleinen Lautsprecher abgespielt wird. Der Vogel wird von einem Elektromagneten bewegt und erscheint nur zur vollen Stunde.

Bei dieser Uhr mit Reliefblättern erklingt der Ruf mit Echoeffekt, bevor eine von zwölf Melodien folgt. Mit einem Wahlschalter lässt sich zwischen Kuckuck und Musik, nur Kuckuck oder Stille wählen, und die Lautstärke ist regelbar.

Auch nachts unterscheiden sich die beiden Werke. Bei einer Quarzuhr schaltet ein Lichtsensor den Ruf oft ab, sobald es im Raum dunkel wird. Bei einer mechanischen Uhr schaltet man ihn meist von Hand mit dem Abschalthebel ab, manche Modelle erledigen das jedoch automatisch. Unser Ratgeber zur Quarz-Kuckucksuhr erklärt ihre Funktionsweise.

Blasebälge aus Holz oder Aufnahme? Unser Ratgeber mechanisch oder Quarz hilft Ihnen bei der Wahl.

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